Balru
Balru und die Tigereule
Eine mutige Geschichte über einen kleinen Elfenzahnmäuserich, eine riesige alte Tigereule – und darüber, dass Mut größer ist als Angst.
- Vorlesezeit ca. 10 Minuten
- Für Kinder von 4–8 Jahren
- Eine originale Kindergeschichte
Tippe auf ein Kapitel, um die Geschichte zu lesen:
Weit, weit zurückDer Baumstamm der Mutter und eine alte Tradition
Die Geschichte in Bildern

Weit, weit zurück in längst vergessenen Tagen – so viele Monde zurückliegend, dass der Mond selbst sich nicht mehr erinnerte, welcher seiner Vormonde das folgende Geschehen beobachtete. Ein kleiner Elfenzahnmäuserich namens Balru lebte im Baumstamm seiner Mutter auf einer schönen Lichtung.
Als Balru schon fast ein erwachsener Elfenzahnmäuserich war, verliebte er sich eines Tages in eine Elfenzahnmäusin aus dem Nachbartahl, doch konnte er diese nicht zu seiner Mäusin nehmen, solange er nicht die Könige hat tanzen sehen. So verlangte es die ewig geltende Tradition, die einen Elfenzahnmäuserich zu einer erwachsenen Elfenzahnmaus machte.
Also begab er sich das erste Mal auf den weiten Weg, der ihn zu einem Ort führen sollte, den die Mäuseriche seit mäuserichgedenken besuchen, um an der großen Hochzeit der königlich Geborenen teilzunehmen, die alle drei Gezeiten aufs Neue vollzogen wurde.
Das Land war so groß, dass jeden Tag ein König hätte heiraten müssen – und so beschlossen sie, alle drei Gezeiten den Hochzeitstanz am Wasserhimmel zu vollziehen, mit vielen, vielen Königen und vielen, vielen ganz, ganz schönen Königinnen, Prinzessinnen und Prinzen.
So lesen Eltern mit:
- „Gezeiten“ erklären: Ebbe und Flut, wie ein großer Atem des Meeres
- Fragen: Warum will Balru die Könige tanzen sehen? Was bedeutet eine Tradition?
- Bei „weit, weit zurück“ die Stimme langsam und leise machen – so beginnt ein Märchen
Die Reise zum WasserhimmelPferde so klein, dass die Füße den Boden berühren
Als Balru diesen magischen Ort nach tagelanger Reise durch Tal und Wald über Wiesen und Stein und durch Matsch erreichte und all die verschiedenen Tiere und Fabelwesen sah, von denen er nie gedacht hatte – oder nein, er hätte nicht einmal davon zu träumen gewagt, dass es so schillernde Tiere und Wesen geben möge.
Da waren kleine Pferde, die so klein waren, dass selbst er als Elfenzahnmäuserich auf ihnen hätte Schwierigkeiten zu reiten gehabt, seine Füße hätten den Boden berührt. So klein!
Vögel in den buntesten Farben, die die fröhlichsten Töne pfiffen, die er jemals hörte. Es war alles wie in einem Traum – so wunderschön.
So lesen Eltern mit:
- Die außergewöhnlichen Wörter erklären: Matsch, schillernd, Fabelwesen
- Kinder raten lassen: Was könnte es am Wasserhimmel noch zu sehen geben?
- Beim „So klein!“ selbst staunen – Kinder lieben übertriebene Bilder
Die SchamMatsch, Staub und ein sehr trauriger Mäuserich
Als Balru jedoch an sich herab sah, sah er, wie schmutzig und dreckig er war. Von oben bis unten voller Matsch und Staub und Kratzern und Wunden und Blasen, von dem langen, mühsamen Weg aus dem Tal der Elfenzahnmäuse, bis zu dem Platz der großen Hochzeiten.
Er weinte bitterlich, weil es ihm so peinlich war, so vor diesen schillernden Wesen aufzutreten und auch die anderen Elfenzahnmäuse sahen alle so würdevoll und glücklich aus. Nur Balru war allein, fühlte sich schmutzig und Elfenzahnmäuserich elend.
Er wollte nur noch nach Hause und sich in seinem Baumstamm verstecken, in dem er mit seiner Mutter und seinen drei kleinen Schwestern lebte und nie nie nie NIE wieder an diesen schillernden, so fremden Ort zurückzukehren, an dem alles so anders ist, als er es gewohnt ist.
So lesen Eltern mit:
- Über das Gefühl sprechen: peinlich sein, sich schmutzig fühlen, sich vergleichen
- Eigene Erlebnisse einbringen: Wann hast du dich zuletzt geschämt?
- Das „nie nie nie NIE“ immer leiser werden lassen – Balru möchte verschwinden
Die TigereuleEin riesiger alter Vogel versperrt den Heimweg
Er wollte sich gerade wegdrehen von dem Trubel, um zu gehen – da passiert es: Eine riesige Tigereule versperrt ihm den Heimweg und faucht und kreischt mit ihrem riesigen, alten, zerfurchten Schnabel, in dem bestimmt schon hunderte, wenn nicht sogar tausende Elfenzahnmäuseriche verschwunden sind, auf ihn herab und Balru erzittert vor Angst.
Er weiß weder ein noch aus, weder vor noch zurück, er ist diesem riesigen alten Vogelwesen hilflos ausgeliefert. Die Tigereule jault und heult und stampft auf den Boden, sodass sie Balru mit ihren meterlangen Tigereulenklauen fast zertrampelt.
Balru versuchte zwischen den Beinen hin durchzurennen, um sich in Sicherheit zu bringen, doch da sah er es … Die Tigereule hatte gar nicht ihn gemeint mit ihrem Fauchen, Jaulen, Kreischen, Trampeln und Stampeln. Sie hatte nur furchtbare Schmerzen, weil in ihrem Bein ein Stachel steckte, der so groß war, dass Balru darin hätte mit seiner ganzen Familie und den Nachbarn wohnen können.
So lesen Eltern mit:
- Spannung aufbauen: leiser und langsamer werden, wenn die Tigereule erscheint
- Fragen: Was glaubst du, warum ist die Eule wirklich wütend?
- Zeigen: Nicht jeder, der laut ist, meint dich – manchmal hat jemand Schmerzen
„Ich helfe dir“Ein Mäuserich, der einem Riesen vertraut
Natürlich hatte Balru furchtbare Angst vor der Tigereule, aber er konnte auch ihre schrecklichen Wehklagen nicht mit anhören, und so sprang er auf einen großen Stein und dann auf einen noch größeren und einen noch größeren, bis er so hoch war, dass die Tigereule ihn gut verstehen konnte.
Er rief: „Tigereule, ich helfe dir und befreie dich von deinen Schmerzen!“ Ein Elfenzahnmäuserich, der der großen Tigereule helfen wollte, obwohl sie ihn doch sofort fressen würde, wenn dieser verflixte Stachel nicht wäre.
Das beeindruckte diese riesige alte Tigereule anscheinend so sehr, dass sie nicht nach ihm hapste und ihn nicht auffraß. Nein, sie sagte: „Kleiner Elfenzahnmäuserich, wenn du das für mich tun willst, dann verspreche ich dir: Ich werde nie wieder einen von euch Elfenzahnmäusen anrühren.“
So lesen Eltern mit:
- Über Helfen trotz Angst sprechen – der Mut kommt, weil er die Klagen hört
- Fragen: Hast du schon mal jemandem geholfen, obwohl du Angst hattest?
- Den Satz „…wenn dieser verflixte Stachel nicht wäre.“ trocken vorlesen – er darf ruhig lustig klingen
Der StachelHin und her schwingen, bis es ENDLICH passiert
Und so sprang Balru wieder herab und hing sich schließlich mit all seinem Mäuserichgewicht und all seiner Kraft an den riesigen Stachel, der tief im Bein der Tigereule steckte. Es war schwer. Balru musste hin und her schwingen und die Eule jaulte und kreischte vor Schmerzen.
ENDLICH! Balru und der Stachel fallen mit einem plumps zu Boden und der Stachel ist heraus. Beinahe hätte der Stachel Balru noch getroffen beim Herunterfallen, aber er hatte ein zweites Mal Glück und das sollte nicht das letzte Mal sein.
So lesen Eltern mit:
- Das „hin und her schwingen“ mit dem Körper mitmachen – links, rechts, links
- „ENDLICH!“ laut und schnell sprechen, dann kurz schweigen
- Das „ein zweites Mal Glück“ zählen lassen: Wie oft hatte Balru schon Glück?
Die Rückkehr„ICH BIN ZURÜCKGEKEHRT“
Die alte Tigereule bedankte sich bei Balru und beugte sich zu ihm hinab. Sie lächelte so, wie eine alte Tigereule lächeln kann 🙂 und sagte: „Balru, setz dich auf mich, ich zeige dir das Hochzeitsfest und habe noch ein kleines Dankeschön.“
Als die Tigereule und Balru bei der Festgesellschaft angekommen waren, starrten sie alle Tiere an und starrten… und staunten und starrten … eine ganze Weile ging das so, und dann sagte die Tigereule in einem lauten, tiefen Ton: „ICH BIN ZURÜCKGEKEHRT“, und alle Könige und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen knieten vor der Tigereule und Balru nieder…
Dann standen sie auf und lachten und liefen und tanzten alle im Kreis um sie herum und Balru war so verwirrt, er wusste gar nicht mehr, was los war.
So lesen Eltern mit:
- „ICH BIN ZURÜCKGEKEHRT“ in der tiefsten Stimme lesen, die man hat
- Beim Knien und Tanzen selbst aufstehen und sich im Kreis drehen
- Fragen: Warum knien alle vor der Tigereule? Was bedeutet sie für das Fest?
Der neue KönigDie Rede der Tigereule – und die Moral
Da nahm die Tigereule ihn in ihre Flügelhand und sprach nochmals zu ihm.
Balru, du warst ängstlich und fühltest dich klein und schwach, und doch halfst du mir, einem Riesen, der dich hätte fressen sollen. Du bist größer als ich und dein Herz reiner als alle Wasser, in denen sich die edlen Leute spiegeln, die um uns sind.
Seit Gezeiten tanzen und spiegeln sie sich, und seit Gezeiten komme ich in Gestalt der tiefsten Angst, doch niemand – kein Krokodilpelikan, kein Elefantenhund und auch keine Gazellenkröte – schaffte es, seine eigene Angst abzulegen, um einem Feind zu vertrauen und zu helfen. Doch du, Balru, bist diesen Schritt gegangen – trotz deiner Angst zu sterben und deine liebe Mutter und dein Tal nie wieder zu sehen. Du sollst unser neuer großer König sein nach diesem Tanz.
Und so geschah es: Das Volk und die königlich Geborenen der kleineren Ländereien freuten sich und jubelten, und sie tanzten und tanzten, so lange, bis die Tigereule aus dem Tal der Elfenzahnmäuse zurückkehrte – mit Balrus Mutter, seinen drei Schwestern und seiner geliebten Elfenzahnmäusin, die nun zu seiner Königin wurde … und Balru herrschte von nun an über die alte Welt mit all seinem Mut und all seiner Güte.
Einen edleren König als den Mut, den gibt es nicht.
So lesen Eltern mit:
- Die Rede der Tigereule langsam und feierlich lesen – es ist der Kern der Geschichte
- Die sonderbaren Tiere (Krokodilpelikan, Elefantenhund, Gazellenkröte) laut und stolz nennen – Kinder lachen darüber
- Zum Schluss: Was bedeutet Mut? Wer im Leben der Kinder ist mutig?
Fragen von Eltern
Für welches Alter ist die Geschichte geeignet?
Am schönsten ist sie zum Vorlesen für Kinder von etwa 4 bis 8 Jahren. Geübtere Erstleser können auch schon selbst hineinschauen – die Kapitel sind bewusst kurz gehalten.
Wer hat die Geschichte geschrieben?
Die Geschichte wurde als originaler Entwurf eingesendet und von uns redaktionell betreut. Wir veröffentlichen sie unverändert – nur in Absätze und Kapitel gegliedert und mit Vorlesetipps ergänzt.
Gibt es ein Happy End?
Ja – und es ist ein besonders warmes. Aber das verraten wir hier nicht. Das muss man selbst lesen!
Darf ich die Geschichte in der Kita oder Schule nutzen?
Ja, ausdrücklich. Die Kapitellänge ist für eine Vorleserunde oder für Lesepatenschaften in der Grundschule gedacht. Die Vorlesetipps dürft ihr gerne als Gesprächsanlass nutzen.
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